FRAGEN, ANTWORTEN UND MITGESTALTEN


Engagierte Mitglieder stellen uns spannende Fragen, von denen wir glauben, dass sie euch alle interessieren. Geschäftsführung und Vorstand haben auf diese geantwortet:

Stelle deine Fragen persönlich oder schreib uns einfach eine E-Mail an bouldern@dav-hamburg.de. Ihr wollt mitgestalten? Dann werdet Teil der Projektgruppe.

Eine Boulderhalle, warum ist das jetzt das Richtige

Warum bauen wir eine Boulderhalle?
Antwort: Die wachsende Beliebtheit und der damit entstehende Bedarf für Kletteranlagen mit Boulderflächen ist fortwährend sehr groß. Bouldern ist nicht nur eine Trainingsmöglichkeit für Seilkletterer, sondern ein anhaltender Trend bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, der sich auch als Kernsportart im DAV Grundsatzprogramm Bergsport wiederfindet. Es dient der Ausbildung für Einsteiger und Fortgeschrittene. Somit trägt die Erweiterung unseres Angebotes durch eine Boulderhalle zur Ausbildung und einer gesunden und ausgeglichenen Altersstruktur der Sektion bei.

In Stelling wird von Urban Apes zeitnah eine Boulderhalle gebaut. Ist wirklich Bedarf an einer zweiten Boulderhalle in direkter Nähe?
Werben sich die 2 Hallen nicht gegenseitig die Nutzer ab? Ist es überhaupt rentabel für beide, oder machen sich die Hallen dann gegenseitig kaputt? Bzw. macht der DAV dann die neue Halle in Stellingen kaputt - die Preise des DAV kann Urban Apes ja vermutlich nicht mitgehen? Gibt es da Absprachen oder Konzepte, wie die 2 Hallen so nah nebeneinander existieren sollen?

Antwort: Darüber haben wir uns natürlich auch Gedanken gemacht. Der Bedarf ist da, auch in der gefühlten Nähe zu uns. Im Vergleich zu Berlin und München zum Beispiel, hat Hamburg einen sehr großen Nachholbedarf. Die Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, mit der Zunahme an Angeboten steigt auch die Anzahl der interessierten Menschen. Es entsteht eine Community über die Grenzen von einzelnen Anlagen hinweg. Die Entstehung der Community führt zu einer Verteilung der Nutzer innerhalb der Stadt, die Auslastung der Anlagen wird homogener. 

Die Angebote und Zielgruppen der verschiedenen Anlagen in Hamburg grenzen sich zum Teil stark von unserem Angebot ab. Die Zielgruppe unserer Anlage ist eine andere als die des Flashh oder der Urban Apes. Im regelmäßigen Austausch mit dem Geschäftsführer der Urban Apes Nick Mammel wurde auch offen darüber gesprochen. Beide Seiten sind sich darüber einig, dass die Anlagen unabhängig voneinander rentabel sind, es werden eher Synergieeffekte erwartet als negative Folgen.  

Die Zielgruppe unserer Anlage spricht wahrscheinlich eher den Kletterer an, der Bouldern als Spielwiese zum Training oder als Ausgleich bzw. als Abwechslung zu seinem gewohnten Seil sieht. Der reinrassige Boulderer wird eher auf die klassischen Boulderanlagen zurückgreifen

Kann der Platz/das Geld nicht alternativ fürs Seilklettern verwendet werden?
Hier wäre in Hamburg sicher mehr Bedarf, als für die x. Boulderhalle. Boulderhallen gibt es bereits viele in Hamburg. Kletterhallen sind hingegen rar in Hamburg und Umgebung, zumal die Nordwandhalle ihre Kletterfläche drastisch verkleinert hat. Die DAV-Halle ist daher abends oder sonntags chronisch überfüllt, so dass Klettern oft keine Erholung, sondern purer Stress ist.

Antwort: Es gibt 2 konkrete Projekte, die die Kletterfläche im Außenbereich um ~ 250 m² vergrößern sollen. Des Weiteren ist eine zeitgemäße Überholung der Halle 1 im Innenbereich im Mehrjahresplan für das Jahr 2025 vorgesehen, wodurch die Kletterfläche auch im Innenbereich wächst und attraktiver wird.

Diese Erweiterungen im Außenbereich waren für dieses und nächstes Jahr geplant, auf Grund der Pandemie und den dadurch fehlenden Mitteln verzögert sich jedoch die Umsetzung. Wir wissen aufgrund der Analyse der Besucherströme, dass es in wenigen Kernzeiten zu einer erhöhten Besucherzahl kommt. Diese ist zwar noch deutlich unterhalb der Spitzenwerte aus den Jahren 2012-2014, können aber für ambitionierte Trainings durchaus sehr belastend sein. Hier versuchen wir durch Lenkungsmaßnahmen der Gäste für Entspannung zu sorgen, welches in den ersten Anläufen auch in den Analysen sichtbaren Erfolg zeigte. Die aktuellen Besucherzahlen (vor der Pandemie) rechtfertigen allerdings keine Investition in einen kostspieligen Neubau einer Indoor-Seilanlage.
   

Was bringt mir eine Boulderhalle, wenn ich selber nicht bouldere? 
Antwort: Das Angebot umfasst wesentlich mehr als eine Boulderhalle: es gibt Trainingsräume, Kursräume und eine Sauna. Die Erweiterung des Kletterzentrums mit einer Boulderhalle soll vor allem auch die wirtschaftliche Autonomie aller Bereiche der Sektion sichern. Langfristig ist nicht nur die Finanzierung zu ewarten, sondern der darüber hinaus erzielte Gewinn fließt in andere Vereinsaktivitäten wie die Renovierungsmaßnahmen unserer Hütten, Aktivitäten der Jugend, Gruppen und Ausbildung. So sichert die Boulderhalle mit ihren Angeboten als weitere Säule unsere gemeinsame Zukunft. 

Wie wirtschaftlich ist das Projekt und woher kommt das schöne Geld

Warum habe ich brav meine Abobeiträge gezahlt, es wurden trotzdem Trainer gekündigt und Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und plötzlich ist jede Menge Geld für große Investitionen da?
Mich macht es zudem extrem stutzig, dass parallel zur Planung darum geworben wird, die Kletterabos nicht zu kündigen, damit die Finanzierung der Halle gesichert bleibt. Das habe ich (bisher) sehr, sehr gern getan und auch das Crowd Funding im Frühjahr unterstützt. Wenn ich jetzt aber sehe, dass eine derart große Investition geplant ist, die meiner Meinung nach aus oben genannten Gründen noch nicht einmal sinnvoll ist, dann fühle ich mich gelinde gesagt verar... Hier fehlt mir aktuell das Verständnis. Vielleicht könnt ihr mir helfen, dies zu verstehen.

Antwort: Erst einmal bedanken wir uns recht herzlich bei allen Mitgliedern, die uns in den letzten Monaten so tatkräftig unterstützt haben. Die Einnahmen aus weitergezahlten Abos, dem Crowd Funding und den zahlreichen Spenden haben uns dabei geholfen, den Verlust der Sektion für das Jahr 2020 deutlich zu reduzieren. Ohne diese Unterstützung wären unsere Rücklagen sicherlich nicht ausreichend gewesen, um die laufenden Kosten und Verbindlichkeiten zu decken. Das Mittel Kurzarbeit stellt für unsere Mitarbeiter eine starke Belastung dar, doch wir benötigen diese Unterstützung! Die laufenden Kosten und Verbindlichkeiten stellen im aktuellen Jahr auf Grund der andauernden Schließung aller Sektionsbetriebe und deutlich sinkender Einnahmen eine große Herausforderung dar. Auf Grund der deutlich angespannten Situation sind im Haushalt 2021 nur 2,5% der Einnahmen aus Mitgliedbeiträgen für zukunftsorientierte Maßnahmen eingeplant. Für eine Sektion in unsere Größenordnung ein niedriger Anteil. Es ist für uns im Vorstand zusammen mit der Geschäftsführung ein Spagat, die Zukunft in der aktuellen Situation nicht aus den Augen zu verlieren und die Prioritäten richtig zu setzen. Die Finanzierung des Baus der Boulderhalle soll sich aus 25% Förderungen und Zuschüssen plus einem Darlehensanteil von 75% zusammensetzen. Die jetzt benötigten Mittel für Bauantrag, Gutachten und Planungskosten werden bei Umsetzung des Projekts durch die Finanzierung rückwirkend gedeckt. Die Kalkulation zum Betrieb der Boulderanlage zeigen auf, dass die Finanzierungskosten gedeckt werden und der Sektion ungefähr 10% vom Umsatz für die Deckung ihrer Kosten durch Kernaufgaben zur Verfügung stehen werden. 

Wir möchten damit sagen, dass die aktuellen Einnahmen und Spenden nicht für die geplante Boulderanlage verplant sind. Diese Anlage wird sich selbst bei sehr konservativer Berechnung in jedem Fall selber tragen und ihren Beitrag für die gesamte Sektion erwirtschaften. 

Die Umstrukturierung des hauptamtlichen Trainerbereichs mit der damit einhergehenden Auflösung der Arbeitsverträge der Trainer hat mit der aktuellen Corona-Pandemie nichts zu tun.


Wenn denn tatsächlich so viel Geld übrig ist, wäre es nicht eher eine gute Investition in die Kernaufgaben des Alpenvereins zu investieren?
… wie Hütten (die hatten viele Verdienstausfälle durch Corona), Wegebau, Naturschutz, Nachhaltigkeit bei der Bewirtschaftung der Hütten, etc., oder ist dort das Budget schon so überreichlich, dass schlicht zu viel Geld da ist und weg muss?

Antwort: Hier kommen wir zu einem sehr wichtigen Teil. Aus dem Ergebnisbericht 2020 ist zu erkennen, dass wir kein Geld übrighatten. Die geplante Boulderanlage ist so kalkuliert, dass diese sich selber trägt. Das bedeutet, dass sie das benötigte Darlehnsvolumen stemmt, alle Betriebskosten deckt, Rücklagen für Instandhaltung und am Ende einen Betrag für die Sektion erwirtschaftet. Die Boulderanlage wird, sofern die Mitgliederversammlung 2022 die Erschließung freigibt, weder Mitgliedsbeiträge verschlingen oder auf die Ergebnisse der bestehenden Kletteranlage angewiesen sein.  

Mit Hilfe der angestrebten Boulderanlage werden wir sowohl mittelfristig als auch langfristig unsere finanzielle Schlagkraft für alle unsere Kernaufgaben erhöhen.


Wie wirtschaftlich zukunftsfähig ist der DAV mit der Boulderhalle?  
Laut dem Branchenreport der Sparkassen von 2020 für Sportanlagen sind wir damit voll im Trend. Das Gesamtangebot sichert uns zu den nahen Boulderhallen das attraktivste Angebot, so können wir anstatt weiteren Abwanderungen und Ausbleiben des Nachwuchses – wieder ein gesunden Zulauf erwarten. Für unsere Vereinsmitglieder werden die verschiedenen Angebote dem Wunsch nach mehr Erlebnis für alle Bedürfnisse Rechnung tragen. Nebst klettern und bouldern, werden ergänzende  kletterspezifische Trainingsformen wie TRX, HIT, Calisthenics und Yoga Angeboten sowie ein großer Kinderbereich mit möglichen Betreuungsprogrammen. So sind wir in Hamburg ein Vorbild für ein gelungenes generationsübergreifendes Angebot des DAV. 

Wie gelingt uns gute Kommunikation und Austausch

Ich verfolge zwar eure Kommunikation in Social Media, aber zu meinen Fragen bin ich da nicht wirklich fündig geworden.
Diese Mail soll nicht unfreundlich euch gegenüber sein, ich weiß, ihr versucht euer bestes allen gerecht zu werden, aber aktuell bin ich verärgert und verstehe das Projekt nicht

Antwort: Wir sind für die kritischen Fragen sehr dankbar. Bitte seid euch sicher, dass wir auch weiterhin unser Kletterzentrum, auch als Kletter- und Boulderzentrum, nicht durch Mitgliedsbeiträge subventionieren werden. Bouldern ist im DAV eine Kernsportart, die in den letzten Jahren immer mehr an Wichtigkeit gewonnen hat. Unsere Planungen sind mit einer gewerblich betriebenen Anlage nicht vergleichbar. Der Sport in allen seinen Facetten inkl. zeitgemäßen Trainingsmöglichkeiten steht im absoluten Vordergrund. Die aktuell angedachte Sauna enthält unseres Erachtens am meisten Diskussionsvolumen. Hierzu sei gesagt, dass die Integration einer Sauna bei Neuerschließungen von Kletteranlagen ab einer bestimmten Größe vom DAV empfohlen wird. Auch wird uns dieser Wunsch von vielen Mitgliedern immer wieder vorgetragen.  

Im ersten Schritt, auf der kommenden Mitgliederversammlung am 26.04.2021 (Online um 18:00), werden wir um die Zustimmung für den Grundstückstausch bitten. In weiteren Schritten wird mit allen Interessenbereichen der aktiven Vereinslandschaft über die Details der geplanten Anlage gesprochen. Erst auf der Mitgliederversammlung 2022 wird über den eigentlichen Bau abgestimmt. 

Ich möchte mitmachen und habe weitere Fragen... 
Antwort: Ihr wollt mitgestalten? Dann werdet Teil der Projektgruppe und nehmt am Dialog mit dem Vorstand teil. Wenn ihr Anregungen oder Fragen habt, schreibt jederzeit eine E-Mail an bouldern@dav-hamburg.de und wir antworten.


Nochmals vielen Dank für eure Fragen! 

Mit den besten Grüßen  

Thomas Wolf (1. Vorsitzender) und Daniel Gring (Geschäftsführer)

Stellt diese an:

Daniel Gring

Geschäftsführer
bouldern@dav-hamburg.de

Projektplanung

Mitgliederversammlung 2021